> Soziale Verantwortung > Weltprojekt Burkina Faso

> Projektbeschreibung > Finanzierung > Dokumentation > Spenden


Projektbeschreibung

Burkina Faso ist - nach Niger und Sierra Leone - das drittärmste Land der Welt. 62% der burkinischen Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze; die Analphabetenrate wird auf 80% geschätzt.

Diese Armut auch im Bildungsbereich bewegte 1991 unsere inzwischen verstorbene Grundschullehrerin, Frau Regula Christéa, ein Projekt zur Unterstützung einer Grundschule, der "Ecole de la Zone du Bois" in Ouagadougou ins Leben zu rufen. Die Beziehungen haben sich seit dieser Zeit vertieft und sind im Schulleben der Deutschen Schule Paris fest verankert. Sie werden von Schülern und Lehrern gleichermaßen getragen, welche sich regelmäßig in unserem "Burkina-Faso-Komitée" treffen, um die Vorschläge für Aktionen, die aus den Reihen der Schulgemeinschaft an sie herangetragen werden, zu bündeln und um neue Initiativen zu planen.

Unser Projekt integriert eine Vielzahl gesellschaftspolitischer und pädagogischer Aspekte: Es ist ein "Eine-Welt-Projekt", das modernen entwicklungspolitischen Einsichten entspricht: Direkthilfe ohne Einschaltung administrativer Instanzen, denn die Spenden, die wir sammeln, werden direkt an unsere Partner-Schule überwiesen und kommen dieser in voller Höhe zu Nutzen. Mit unserem Schulprojekt reihen wir uns in eine zivilgesellschaftliche Bewegung ein, die bei Grundbedürfnissen ansetzt, in unserem Fall bei der Grundbildung als unverzichtbarer Voraussetzung dafür, dass junge Menschen aus dem Teufelskreis der Armut ausbrechen können.

Unsere jährlichen inzwischen auf 7.500 Euro angestiegenen Spenden decken die Kosten für Schuldgeld, Schulmaterial, Schulbücher, Nahrungsmittel und Küchenpersonal (2 Köchinnen) von 300 bedürftigen Schülerinnen und Schülern. Gerade die Möglichkeit, kostenlos eine warme Mahlzeit zu erhalten, ist für viele Eltern eine Motivation, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Die an der "Ecole de la Zone du Bois" unterrichtenden Lehrer meldeten uns, dass weniger Eltern ihre Kinder von der Schule abmeldeten, seitdem die Schulspeisung existiert.
Die Kinder unserer Partnerschule gehen sehr gerne zur Schule und erzielen gute Ergebnisse. Die Erfolgsquote des Certificat d'Etudes am Ende der Grundschulzeit lag bisweilen bei über 97%.

Im Februar 2005 besuchten zwei Oberstufenschüler der Deutschen Schule Paris unsere Partnerschule in Ouagadougou, um sich ein persönliches Bild des Lebens an der "Ecole de la Zone du Bois" zu machen und sahen, dass unsere Spenden wirksam eingesetzt werden.
Sie überbrachten den dortigen Lehrern Schulmaterialien, wie Atlanten und Lexika, und Medikamente. Vor allem aber diente diese Reise dazu, bei der Planung eines neuen Projektes der DSP, der Überdachung der Kantine, mitzuhelfen. Bislang aßen die Schüler im Freien und waren dem Regen, der Sonne und auch dem Wüstenwind Harmatan, der Ouagadougou in der Trockenzeit in eine einzige Staubwolke verwandelt, ausgesetzt. Aufgrund großzügiger Spenden konnte auch dieses Projekt noch im Sommer 2005 verwirklicht werden.
Eine neue Aktivität, die sich zur Zeit in der Planungsphase befindet, sind medizinische Untersuchungen, z. B. der Augen der Schulkinder.

Aufgrund von Beziehungen der Eltern einer unserer Schülerinnen haben wir nun wieder eine Kontaktperson an der Deutschen Botschaft in Ouagadougou, die sich für unser Projekt interessiert und als Ansprechpartner für unsere Sache gerne vor Ort zur Verfügung stehen will.

Die Kontakte mit der Schule in Burkina Faso spiegeln sich natürlich auch in den
Unterrichtsformen und -inhalten wider:

In den 4. bis 6. Klassen der DSP bestehen persönliche Briefkontakte zu Schülern in Ouagadougou, in denen die Kinder aus ihrem Schulalltag berichten und erzählen, wie sie lernen, singen und spielen. Dieser Briefaustausch - in französischer Sprache (!) - führt zu interessanten Unterrichtsgesprächen, trägt zu einem besseren Verständnis bei und lässt die Hilfe der Schüler nah und freundschaftlich werden.

Im Jahre 2004 schickte uns ein Lehrer unserer Partnerschule in Form einer DVD einen Film über den Tagesablauf an der "Ecole de la Zone du Bois". Dieser Film wurde von einer DSP- Schülerarbeitsgruppe "audiovisuelle Medien" aufbereitet und es entstanden unter dem Titel "Lernen auf Afrikanisch" vier 5-minutige Kurzfilme: "Alltag an der Ecole de la Zone du Bois", "Aspekte des Schullebens", "Die Kantine" und "Lieder, Gedichte und Tänze". So entwickelte sich eine neue Unterrichtsform an der DSP: Das Pausenkino. Eine Woche lang wurde an jedem Schultag einer der Kurzfilme in der Pause vorgeführt. Ein abschließender Fragebogen zu dieser Unterrichtsform brachte ein eindeutig positives Ergebnis: Sowohl Schüler als auch Lehrer wünschten sich eine Fortführung der Pausenkinos zu diversen Themen.

Eine nachhaltige Wirkung auf unsere Schüler hatte auch der Film, den unsere Oberstufenschüler während ihres Aufenthaltes in Ouagadougou gedreht hatten. Niederschmetternd war es zu sehen, in welcher Armut die Kinder unserer Partnerschule leben. Doch diese Schüler, die oft Waisen sind und nach Schulschluss betteln gehen müssen, sammelten Spenden für die Opfer des Tsunami - ein Zeichen wahrer Solidarität! Gleichgültigkeit ist hier geradezu ein Fremdwort, man ist solidarisch und vor allem motiviert!
"So wie die Europäer einst demokratische Grundsätze von Freiheit und Gleichheit nach Afrika brachten, können wir nun von Afrika lernen, was Solidarität und Motivation bedeuten." Mit diesem Schlusswort des Films waren alle Schüler einverstanden.

 

Ursula Referend